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Kein Restaurant - eine Institution

Wie die "StäV" von Berlin nach Hamburg kam

Ein großer Mann aus Ulm hat einmal gesagt: "Alles was Menschen sich vorstellen können, das können sie auch erreichen." Man könnte glauben, Albert Einstein habe mit am Tisch gesessen, als in Berlin hochkarätige Meetings einberufen wurden, um der Frage nachzugehen: Kann man eine "Ständige Vertretung" außerhalb Berlins erfolgreich betreiben? Beispielsweise in Dresden, Saarbrücken, Hannover oder Hamburg?

Das Ergebnis - Statement dieses Meetings war unmissverständlich: Man kann die geniale Geschäftsidee der Ständigen Vertretung systematisieren und multiplizieren !
Nur: Man muss es zunächst einmal an einem neuen Standort ausprobieren. Testen, Geld bewegen, Risiken eingehen - das ist letztendlich immer der Job eines Gastronomiebetreibers, dem schwächsten Glied in der Kette. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Viel Geld einsetzen und nicht wissen, ob es über die Wupper geht. Später, wenn's geklappt hat, gibt es viele Väter des Erfolgs.

Bildergalerie in der StäV

Doch der Reihe nach. Wie kam die "Ständige Vertretung" von Berlin nach Bonn - und wo könnte sie sonst noch das Licht der Welt erblicken? Ich saß im ICE von Hamburg nach Berlin. Mein Auftrag: Ein Interview in der "Ständigen Vertretung" zu führen und ein Video zu drehen, damit die Jury des "Herforder Preises" - dem bedeutendsten Gastronomie - Preis in Deutschland - aus jeweils drei nominierten Gastronomen der Kategorien, "Wirt des Jahres", "Wirtin des Jahres" und "Konzept des Jahres", die Sieger ermitteln konnte.

Mein Gespräch  mit Friedel Drautzburg und Harald Grunert war ein journalistisches Schmankerl. Witzige und tiefsinnige Gedanken wechselten sich ab mit professionellen und handwerklichen Erkenntnissen. Ein philosophisches Glanzlicht und ein emotionales dazu. Drautzburg lief wie so oft zu rheinischer Hochform auf. Etwas von Männerfreundschaft lag in der Luft. Wir kannten uns aus den frühen neunziger Jahren, als ich noch Referate und Seminare hielt und als Erfinder der Erlebnisgastronomie übers Land und durch die Talk - Shows zog. Das Interview war geprägt von dem Rheinischen Gastronomie - Motto:

Wenn wir schon leben müssen, dann wenigstens gut!

Bildergalerie in der StäV

In dieser Formel liegt sozusagen die Garantie, Gäste, Kunden - Menschen glücklich machen zu wollen. Eben auf rheinische Weise, mit Himmel un Ääd,  Halvem Hahn, Kölsch Kaviar und natürlich mit Kölsch - bis zum Verlust der Muttersprache.

Das Gastronomie - Erlebnis einer Region in Deutschland, ihrer Speise- und Trinkkultur, ihres Lebensgefühls. Vergleichbares kannte man bis dato nur aus Bayern. Von einer anderen Region, die ein eigenständiges Lebensgefühl gastronomisch rüberbringen könnte, war noch nicht die Rede – bis jetzt....

Kurzum: Die gastronomischen Inhalte, in Verbindung mit den charismatischen, urgesteinigen Betreibern Drautzburg und Grunert und deren politischer Botschaft, vernetzt mit dem rheinischen Lebensgefühl - die Jury des "Herforder Preises", der auch "Gastronomie - Oskar" genannt wird, hatte eigentlich keine Wahl.
Die Auszeichnung in der Kategorie "Bestes Konzept" ging 1999 an die "Ständige Vertretung", Berlin. Die Fernsehkameras rissen sich um Drautzburg und Grunert, die Presse war voll mit Meldungen zur Erfolgsstory der StäV.

Und die beiden Macher holten immer neue Bon(n)mots aus dem Köcher. „Et hätt noch immer jot jejange!“ oder "Et kütt wie et kütt!" Da standen sie nun ganz oben auf dem Pidestal des Erfolges. Was will das Unternehmerherz mehr ? Doch just an dieser Stelle wurde deutlich, dass Drautzburg und Grunert eben nicht nur Gastronomen, sondern wirkliche Unternehmer sind. Denn der Unternehmer heißt Unternehmer, weil er etwas unternimmt - sonst hieße er ja Unterlasser.

Wenn also das "StäV - Konzept auch woanders funktionieren könnte, wie die Fachleute ja befunden hatten, so war uns, den Interessenten für den nächsten Standort eines von Anfang an klar: Da wir in Hamburg leben, musste die erste Dependance der "Ständigen Vertretung" in Hamburg aus der Taufe gehoben werden, damit wir bei diesem Pilot - Projekt immer ganz dicht dran sein konnten. Außerdem waren wir der Überzeugung: Wenn die "Ständige Vertretung" in Hamburg funktionierte, bei den coolen und reservierten Hanseaten, dann müsste sie eigentlich in der ganzen Republik funktionieren.

Also suchten wir nach einem geeigneten Standort im so genannten politisch relevanten Umfeld. Das konnte nur zwischen Binnenalster und Hafen sein, denn hier liegt das Rathaus, die Senatsinstitutionen, der gesamte "Politische Pudding". Natürlich war nichts frei, wir liefen vor eine Wand. Dann kam aus der politischen Ecke der entscheidende Tipp: "Schreiben Sie doch dem Wirtschaftssenator und teilen ihm mit, dass die Ständige Vertretung nach Hamburg kommen möchte und dass Sie ca. dreißig Arbeitsplätze mitbringen." Gesagt, getan. Der Senator, bekennender Fan der "Ständigen Vertretung" in Berlin, schaltete einen Senatsdirektor ein und dieser hatte eine große Idee.

Rund vier Monate später, im Dezember 2000, öffnete die erste "Ständige Vertretung" außerhalb Berlins - ohne 40.000 Rheinländer aus der politischen Administration, ohne rheinische Betreiber - Persönlichkeiten, die sich in den Medien und in Bonn bereits einen Namen gemacht hatten. Ohne all diese scheinbar unverzichtbaren Parameter für den wirtschaftlichen Erfolg eben dieser Polit - Gastronomie, sondern einfach nur als "Ständige Vertretung" mit einer gewissen Medien - Reputation, einem glaubwürdigen politischen Spirit und einer starken Botschaft: Brasserie des Rheinlands in Hamburg. Mit Gesichtern und Geschichten von Persönlichkeiten, die unser Land geprägt haben - von Adenauer über Brandt zu Schmidt und Honecker bis hin zu Schröder - und auch der vielen bedeutenden politischen "Kanalarbeiter" dazwischen.

Staev

Ein interessantes Konzept, sowohl für diejenigen, die diese Geschichte selbst miterlebt haben, wie auch für die Jüngeren, die sie in der "Ständigen Vertretung" erleben und nachvollziehen können. Die auch in Berlin typische Gäste - Klientel bevölkerte auch die neue "Ständige Vertretung" in Hamburg: Menschen aus Politik, Kunst, Kultur, Medien, aus der Nachbarschaft und Flaneure, Neugierige und Genießer, ohne dass eine Generation überwiegt. Alle zusammen machen das Lokal Tag für Tag und Nacht für Nacht zu einem angesagten Kommunikationstreffpunkt. Der Erfolg ist nicht mit dem von Berlin vergleichbar - das konnte er nie sein. Aber für Hamburg ist er spektakulär.

Nie zuvor waren hier in so kurzer Zeit so viele prominente Zeitgenossen in einem Lokal.
Nie zuvor war hier ein Lokal in so kurzer Zeit nachweislich so bekannt und beliebt. Und das, obwohl man hier "exotisches" Bier verkosten muss, das bisher noch kaum jemand in der Hansestadt getrunken hatte: Gaffel - Kölsch

Inzwischen gibt es Anfragen aus verschiedenen Landeshauptstädten, ob nicht auch sie eine "Ständige Vertretung" bekommen könnten. Nun, wenn alles klappt, wird als nächstes eine "StäV in Hannover eröffnet - direkt neben dem Rathaus und dem Landtag.
Nun, die "Ständige Vertretung" in Hamburg hat der ehemalige Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost - Berlin, Staatssekretär Klaus Bölling, mit einer flammenden Rede eröffnet. In Hannover sieht es ganz so aus, als hielte ein Bundeskanzler die Eröffnungsansprache. Wann hätte es das je gegeben, dass ein Kanzler eine Kneipe eröffnet!? Aber die "Ständige Vertretung" ist ja gar keine Kneipe. Sie ist nach vier Jahren bereits eine Institution.

Es war
einmal...

Blick in
die
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